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Do Jan 27 @18:00 -
offener Gemeinderat

Gemeindebrief

Unruhig ist unser Herz – aus dem Gemeindebrief

Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.
2 Thess 3,5 (Monatsspruch für den November 2021)

»Geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir« – so beginnt Augustinus sein Buch »Bekenntnisse«, in dem er sein Leben erzählt.

Ein unruhiges Herz – was macht unser Herz unruhig? Kann sein, es ist eine bestimmte Sache, die uns gerade umtreibt; kann sein, es ist, weil so vieles gleichzeitig an unserem Herz »zieht«. Dann springt es von einem zum anderen oder verschiedene Dinge ziehen in verschiedene Richtungen.

Dabei kennen wir es ja auch anders, z.B. wenn wir mit einer Sache beschäftigt sind, die uns völlig in Beschlag nimmt, bei der wir alles andere vergessen. Da ist dann nichts von Unruhe – aber leider: In diesem Zustand, in dem alles andere ausgeblendet ist, können wir uns nicht auf Dauer einrichten, einige von den Dingen, die an unserem Herz ziehen, brauchen ja tatsächlich hin und wieder unsere Aufmerksamkeit.

Das Herz ausrichten, dass es zur Ruhe kommt und trotzdem die Dinge im Blick behalten, die unsere Aufmerksamkeit brauchen, wie kann das gehen? Da schreibt einer an eine Gemeinde, der ist selber unter Druck, wird angegangen von »falschen und bösen Menschen« – und der hat eine Idee. Der schreibt: ich wünsch Euch das, dass Eure Herzen ausgerichtet sind auf die Liebe Gottes, dass Euch das bewusst ist, dass ihr geliebt seid von Anbeginn der Welt und immer wieder (2,16). Und auf die Geduld Christi: Jesus in den Blick nehmen und das verbinden mit Zeit, mit Warten können, aber mit der Zuversicht, dass wir bekommen, was wir brauchen (Vers 3: »Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen«). Und dann, so ausgerichtet, wieder auf alles andere schauen: Von da aus betrachtet, mit einem Herz, das ausgerichtet ist auf die Liebe Gottes und die Geduld Christ, sortieren sich die anderen Dinge, sehen sie anders aus, was vorher bedrohlich schien, wird kleiner, zum Beispiel.

Und wie komme ich dahin, zu dieser Ausrichtung des Herzens? Zum einen kann man das einüben: Ich nehme mir ein konkretes Anliegen vor, das mich beunruhigt und mein Herz bewegt, und übe, mit dem Blick der Liebe Gottes darauf zu schauen. Und jedes Mal, wenn mich etwas unruhig macht, nehme ich das als Erinnerung, das gleich wieder zu üben mit dem, was mich gerade unruhig macht.

Zum anderen: dieser Vers war ja eigentlich nicht ein Vorschlag, was man selber machen könnte (na Ja, ein bisschen schon, warum sollte er ihnen dieses Gebet sonst schreiben), das war ja ein Segen, ein Wunsch an Gott, ein Gebet. Für andere, in diesem Fall – kann man aber auch für sich selber – und dann drauf achten, auf welche Weise es geschehen wird...

Pastor Winfried Glatz

Zweifeln? – Aus dem Gemeindebrief

Erbarmt euch derer, die zweifeln. Judas 22

Mit dem Zweifel, das ist ja so eine Sache. Lange Zeit war er sehr verpönt, etwas, was man am besten nicht hatte und wenn doch, dann wenigstens nicht zeigte und sich schuldig fühlte. Dann wendete sich das Blatt und Zweifeln wurde modern, so dass nun wer nicht ordentlich zweifelte sich fast zu schämen hatte.

Hat ja auch sein Gutes, wenn es leichter ist, Dinge, in denen man innerlich hin- und hergerissen ist, mit jemandem zu teilen, ohne dass sich gleich ein Zeigefinger in die Höhe geht. Ist ja auch wirklich nicht von vornherein etwas Negatives, der Zweifel; der Weg von einer Gewissheit zu einer anderen führt oft durch eine Zwischenzeit von innerer Unklarheit und Gespaltenheit, das ist normal. Würde man sowas sich (und anderen) nicht erlauben, machte man damit auch manche gute Entwicklung unnötig schwieriger.

Andererseits, wenn so eine Zustand, innerlich mit sich im Streit zu sein, anhält, länger, gar chronisch wird, das ist zermürbend; wem das so geht, der kommt nicht mehr zur Ruhe: sobald man sich mal auf einer Seite der inneren Debatte niederlässt, schreit es von drüben – und umgekehrt. Und wenn dann noch wichtige Werte betroffen sind kommen dazu noch ständige Schuldgefühle, Unsicherheit über sich selber – sprich: das wünscht man niemandem auf Dauer.

Was braucht ein Mensch, dem es so geht?

»Erbarmt euch derer, die zweifeln«, sagt uns der Monatspruch aus dem Judasbrief. Was dass im einzelnen heißt, ist weniger klar, als es beim ersten Hören klingt. Das war schon damals so, da gibt es erstens welche, bei denen … und dann andere, bei denen und schließlich drittens … – so ungefähr geht das bei Judas weiter; bei der Gemeinde, an die er das schreibt, war gerade der Versuch einer feindlichen Übernahme im Gange, in dem er mit seinem Brief das Schlimmste zu verhüten versucht; daher ist sein spezielles erstens, zweitens, drittens für unsere Lage nicht einfach zu übernehmen – die Grundlinie Barmherzigkeit auf jeden Fall.

Was das im Einzelnen heißt, kommt auf das Einzelne an. Eine Atmosphäre zu unterstützen, in der es leichter wird, über so etwas zu reden. Zuhören auf jeden Fall. Versuchen zu verstehen; die einzelnen inneren Positionen und dass es dem, der mir das erzählt jetzt grade nicht gelingt, bei einer Seite zur Ruhe zu kommen und mitvollziehen, welches Leid mit diesem inneren Hin- und Her verbunden ist, das geht immer. Dann kommt es drauf an. ist es dran, zu vermitteln, dass das sein darf, dass es noch Zeit braucht, dass jetzt nicht schnell etwas zu erzwingen ist? Oder ist eher eine klare Stellungnahme dran, eine Konfrontation, z.B. weil es einfach irgendwann dran ist, sich zu entscheiden und die Verantwortung dafür zu übernehmen (etwas in der Art hatte Judas auch dabei in seinem erstens, zweitens, drittens), wobei dann immer noch zu überlegen ist, ob ich der Richtige dafür bin und ob jetzt die richtige Zeit dafür ist. Vielleicht auch einfach (d.h. gar nicht so einfach) mit aushalten, dass es jetzt so ist. Und wenn der Zweifel Gott oder seine Güte betrifft, die Gewissheit zu vermitteln, dass wir trotzdem in seiner Hand gut aufgehoben sind, wie ein Kind, dass gerade eine Auseinandersetzung mit Eltern hat und wütend ist, trotzdem sicher und zuhause bei ihnen ist. So unterschiedlich kann das Erbarmen im Einzelnen aussehen.

Vielen gelingt das ganz gut, mit anderen barmherzig zu sein, auch in dem, was sie über sie denken und sagen, aber im Blick auf sich selber sieht das anders aus, da darf sowas auf keinen Fall, da wird plötzlich ein Maßstab angelegt, der kaum zu schaffen ist und unbarmherzig. Daher zum Schluss der Hinweis: Sei barmherzig mit dem der zweifelt – auch dann, wenn derjenige du selber bist.

Pastor Winfried Glatz